Die Kündigung – mit dem ersten Schock richtig umgehen

Wir hoffen es trifft uns nie

Wir alle hoffen, dass es uns nie trifft und drängen den Gedanken daran in weite Ferne. Laut einer aktuellen Umfrage haben 45% der Arbeitnehmer Angst davor, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Effektiv rechnen aber nur drei Prozent damit, dass dies auch wirklich in den nächsten zwei Jahren eintritt.

Und trotzdem gilt: Unverhofft kommt oft.  So manch einer von uns mag sich daran erinnern, welche Gefühle ihm durch den Kopf gegangen sind als der Chef verkündigte, dass unser gemeinsamer Weg mit der Firma sich an diesem Punkt trennt. Oftmals kippt man sprichwörtlich aus den Latschen, droht die Verfassung zu verlieren. Damit hätte ich nie gerechnet oder warum ich sind Fragen, die quälend sein können – eine emotionale Achterbahnfahrt. Doch gerade jetzt gilt es einen klaren Kopf zu bewahren und vorwärts zu blicken.

 

Lass dich bloß nicht im ersten Moment klein kriegen

Trotz dieser hoch emotionalen Situation oder vielleicht gerade deswegen ist für dich als Arbeitnehmer jetzt Vorsicht geboten. Personalchefs nutzen das Gefühlschaos gerne aus und überrumpeln ihre frisch gekündigten Noch-Mitarbeiter mit scheinbar verlockenden Angeboten. Am besten soll der Mitarbeiter schnell von der Bildfläche verschieden und keine weiteren Kosten verursachen. Auf dem Schreibtisch liegen eventuell schon die schriftlich formulierte Kündigung und ein großzügig vorgefertigter Aufhebungsvertrag bereit.

Der Personaler drückt seine Anteilnahme aus. Betont zusätzlich, dass dies „ja wirklich ein sehr, sehr gutes Angebot ist, dass er nicht so leicht ausschlagen würde“ und betont eingehend, dass er dieses Angebot allerdings nur heute so halten kann. Morgen kann alles schon wieder ganz anders aussehen. Genau das solltest auch du in dieser Situation denken und nicht voreilig zum Kugelschreiber greifen. Bewahre einen kühlen Kopf. Unterschreib nicht voreilig und berate dich eventuell mit einem Anwalt.

Wir möchten dir nachfolgend ein paar Tipps und gute Gründe nennen, weshalb sich eine zu schnell entschiedene Unterschrift zu deinem Nachteil entwickeln kann.

Eventuelle Zahlungen, wie ein ausstehender Bonus könnten der Vergangenheit angehören. Überlege dir also, was du da genau unterschreibst. Oftmals enthalten solche gut gemeinten Aufhebungsverträge eine Klausel, die besagt, dass alle weiteren Ansprüche mit dem letzten bezahlten Lohn abgegolten sind. Auch eine eventuelle Kündigungsschutzklage kommt für den Arbeitnehmer nicht mehr in Frage.

Das Thema Arbeitsagentur spielt auch eine entscheidende Rolle. Sei dir bewusst, dass dein unterschriebener Aufhebungsvertrag für das Arbeitsamt ein Grund ist dich für das Arbeitslosengeld zu sperren.  Erst nach zwölf Wochen ist der Staat verpflichtet in diesem Fall Gelder zu zahlen. Und dies bedeutet ebenso, dass du selbst für die Beiträge von Kranken- und Rentenversicherung in dieser Zeit aufkommen musst.

Völlig kopflos solltest du aber auch nicht aus der Situation gehen. Verlasse deinen Arbeitsplatz nicht vorzeitig an diesem Tag. Der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet für die dadurch verloren gegangen Arbeitszeit zu zahlen. Er könnte dir eine Abmahnung erteilen. Schließlich verletzt du deine Arbeitspflicht und eine wiederholte Abmahnung mündet schnell in einer fristlosen Kündigung.

 

Konkrete Tipps auf die Hand: Sendepause nach der Kündigung

Nimm dir die Zeit um nach dem ersten Schock eine Pause einzulegen und deine Gedanken zu sortieren. Fragen wie die Einarbeitung deines Nachfolgers brauchst du in diesem Moment auch nicht beantworten.

Vielmehr geht es jetzt darum, dass du die Situation für dich klärst. Denk über eine eventuelle Rechtsberatung nach oder konsultiere auch den Betriebsrat. Gerade wenn mehrere Mitarbeiter gekündigt wurden kann eine Besprechung mit dem Betriebsrat von Vorteil sein. Vergiss auch nicht innerhalb der gesetzlichen Frist zum Arbeitsamt zu gehen, um deine Arbeitslosengeldzahlung ohne Sperrzeiten zu erhalten.

Eine eigene Checkliste für das weitere Vorgehen anzulegen kann hilfreich sein. Folgende Punkte könntest oder solltest du Schritt für Schritt arbeiten:

  • Kranken- und Rentenversicherung checken
  • Eventuelle private Vorsorge anpassen
  • Betriebsrente in trockene Tücher legen
  • Eigene Kollegen informieren
  • Vor Ort Übergabe (Büroräume etc.)
  • Abschlussgespräch mit Vorgesetzten
  • Zeugnis

So schlimm wie zu Beginn dir die Situation einer eventuellen Kündigung vielleicht erscheinen mag, so positiv solltest du sie vielleicht auch sehen. Beachte die von uns aufgezeigten Punkte und behalte einen klaren Kopf. Und wer weiß vielleicht steht schon ein paar Tage später die Einladung zu deinem lang ersehnten Traumjob vor der Tür.

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Ein Mitarbeiter hat gekündigt - Was jetzt?