Was verdient eigentlich mein Kollege von Gegenüber?

Nichts ist so undurchsichtiger als die Gehaltsstruktur in einem Unternehmen. Über Geld spricht man nicht und das gilt auch in vielen Unternehmen. Die Unterschiede der Gehälter sind teilweise gravierend. Doch wovon hängt das ab? Sind es wirklich nur unterschiedliche Qualifikationen und wer bestimmt, ob eine Qualifikation mehr Wert ist als die andere?

Die Gehaltsverhandlung steht an. Du hast deinen ganzen Mut zusammen genommen und hast das Mitarbeitergespräch mit deinem Chef auf einen Termin festgesetzt. Was du auf jeden Fall vermeiden solltest, habe ich dir bereits in einem früheren Beitrag erläutert. Von was dein Erfolg abhängen könnte und wie unfair so manche Gehaltsstrukturen sein können, möchte ich dir heute näher erläutern.

Die Chancen auf Erfolg bei den Gehaltsverhandlungen sind höchst unterschiedlich. Ob das neue Gesetz zur Lohngerechtigkeit etwas ändert ist fraglich. Laut Gesetz sind Arbeitgeber mit mehr als 200 Beschäftigten künftig dazu verpflichtet fragenden MitarbeiterInnen Auskunft darüber zu geben, wo sie in der Lohnstruktur des Unternehmens stehen. Das bringt zwar nicht automatisch mehr Geld, aber es hilft bei der Argumentation.

 

Wer schafft es mehr Geld in Verhandlungen herauszuschlagen?

Statistisch betrachtet sind ArbeitnehmerInnen, die in Branchen arbeiten, in denen Tarifverträge gelten, öfter von Lohnerhöhungen betroffen. Gemeinschaftlich setzen sich Gewerkschaften für einen Lohnanstieg ein und können dies so leichter durchsetzen. Doch die Tarifbindung sinkt kontinuierlich in Deutschland und so sind viele auf ihr eigenes Verhandlungsgeschick mehr und mehr angewiesen. Lässt man den öffentlichen Dienst außen vor, dann kann nicht einmal mehr jeder zweite von automatischen Lohnanpassungen durch Tarifverträge profitieren.

 

Und wie boxe ich alleine mehr Geld für mich durch?

Viele unterschiedliche Faktoren bestimmen wie erfolgreich ich bei meiner nächsten Gehaltsverhandlung bin. Objektiv betrachtet gibt es selbstverständlich auch einige Faktoren, auf die ich als Arbeitnehmer keinen Einfluss habe. Die Region, wirtschaftliche Lage, Branche und Größe des Unternehmens spielt eine Rolle. Ein einfacher Handwerker in einem kleinen Familienbetrieb im Osten Deutschlands bekommt aufgrund der Gegebenheiten eher weniger Gehalt für die gleiche Leistung als ein Elektriker einer großen Fabrik an einem Wirtschaftsstandort wie Stuttgart. Immer noch beträgt die Lohndifferenz zwischen Ost und West im Durchschnitt fast 10.000 Euro Brutto beim Jahresgehalt.

Unabhängig davon gibt es aber auch eine Reihe an individuellen Faktoren, die die Höhe meines Gehalts festlegen. An erster Stelle steht hier der Marktwert. Wer bestimmt meinen Marktwert? Ich selbst als Arbeitnehmer durch meine Qualifikationen, Weiterbildungen und Fähigkeiten oder die Branche durch die Nachfrage meines Wissens? Ich kann selbst Einfluss darauf nehmen. Trete ich überzeugender im Vorstellungsgespräch auf, argumentiere logisch und bringe meine Qualifikationen gut rüber.  Es gilt also: Wer sich gut verkaufen kann, der bekommt auch mehr. Eigentlich logisch – nur manchmal nicht so einfach umsetzbar.

 

Leider gibt es aber auch viele weitere Faktoren auf die ich (k)einen Einfluss habe

Komme ich mit meinem Chef auf der persönlichen Ebene gut aus? Bist du ihm sympathisch? Dann stehen deine Chancen richtig gut auf ein höheres Gehalt. Ganz im Gegenteil ist es im Interesse eines Chefs, der seinen ungeliebten Mitarbeiter aus dem Betrieb haben will, das Gehalt möglichst gering zu halten und Forderungen kontinuierlich auszuschlagen. Vielleicht geht er ja so irgendwann von selbst? Denn einfach ist es nicht einen tadellos korrekten Mitarbeiter zu kündigen, der sich außer fehlender Sympathie nichts hat zu Schulden kommen lassen.

Leider spielt das Geschlecht – auch in Deutschland – immer noch eine zu wichtige Rolle. Einer Frau wird seltener die Gehaltserhöhung genehmigt, da man davon ausgeht, dass sie auf mehr Geld nur in den wenigen Fällen angewiesen ist. Schließlich hat jede Frau einen starken Partner im Rücken, der dafür Sorge zu tragen hat, dass es der Familie gut geht. Ein Irrglaube und auch so hält sich der Gender Pay Gap bei Vollzeitangestellten bei gleicher Qualifikation, Erfahrung und Tätigkeit bei sieben Prozent.

Laut einer aktuellen Studie lässt sich feststellen, dass Menschen, die dem gängigen Schönheitsideal entsprechen, mehr Gehalt bekommen als diejenige, die von diesem stärker abweichen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat sogar festgestellt, dass attraktive Frauen zwei bis vier Prozent mehr Lohn und attraktive Männer fünf bis sieben Prozent mehr Gehalt bekommen.

Wie unterschiedlich Gehälter, Leistung und Arbeiten sein können, kann jeder selbst für sich in seinem Umfeld unter die Lupe nehmen. Wichtig ist, aufmerksam zu sein. Sich selbst zu fragen, ob man in seinem Job noch zufrieden ist, vergleichbare Konkurrenz zu Rate ziehen und eine Entscheidung treffen. Lege dir deine richtigen Argumente zurecht bevor du dich dazu entscheidest mehr Gehalt zu fordern.

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Eine heikle Situation - gekonnt als Chef die Gehaltserhöhung ablehnen