Woran erkenne ich ein gutes Arbeitszeugnis?

Wird ein Arbeitsverhältnis beendet – aus welchem Grund auch immer – hat der Angestellte ein gesetzliches Recht auf ein Arbeitszeugnis. Dabei ist außerdem vom Gesetzgeber festgelegt, dass dieses immer wohlwollend formuliert sein muss und dem Mitarbeiter nicht schaden darf. Aber wie das Leben so ist haben sich im Laufe der Zeit Formulierungen etabliert, die zwar auf den ersten Blick positiv klingen, aber in der Realität das genaue Gegenteil bedeuten. Und diese Welt der Formeln treibt zum Teil seltsame Blüten. So verwenden Personaler häufig den Satz „Er bzw. sie arbeitete zu unserer vollsten Zufriedenheit“, was grammatikalisch eigentlich falsch ist und auch etwas holprig klingt. Ein gutes Arbeitszeugnis ist deshalb individuell und ohne viele Standardsätze formuliert.

Die Bewertung im Arbeitszeugnis

Viele Unternehmen erhalten jeden Tag eine wahre Flut von Bewerbungen und Personalverantwortliche haben nur wenig Zeit, diese durchzusehen. Für eine Vorauswahl achten die meisten daher auf die Bewertung am Schluss des Arbeitszeugnisses. Warum wurde das Arbeitsverhältnis beendet? Ist der Mitarbeiter freiwillig gegangen oder wurden ihm vielleicht fristlos gekündigt? Hier lässt sich an Hand des Zukunftswunsches auch erkennen, ob der Arbeitgeber den Weggang bedauert. Die Beschreibung der Aufgaben wird meist erst im zweiten Schritt unter die Lupe genommen. Ein zu kurzes Zeugnis wirkt da eher negativ, allerdings kommt es auch darauf an ob jemand nur ein Praktikum absolvierte oder aber mehrere Jahre im Unternehmen arbeitete.

Die Bewertung der Leistungen erfolgt wie in der Schule mit Noten von 1 bis 6. Die Notenskala sieht dabei folgendermaßen aus:

Note 1 (sehr gut):

„Herr/Frau XY hat die ihm/ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten/uneingeschränkten Zufriedenheit erledigt.

oder: Wir waren immer mit seinen/ihren Leistungen in jeder Hinsicht außerordentlich zufrieden.

Note 2 (gut):

… hat die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt.

oder: Wir waren mit seinen Leistungen immer voll und ganz zufrieden.

Note 3 (befriedigend):

… hat die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt.

Note 4 (ausreichend):

… hat die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erledigt.

Note 5 (mangelhaft):

… hat die ihm übertragenen Aufgaben im Großen und Ganzen/im Allgemeinen zu unserer Zufriedenheit erledigt.

Note 6 (ungenügend):

… hat sich bemüht, seine Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen.

 

Allgemeines zur Sprache im Arbeitszeugnis

Abgesehen von den Inhalten und Fakten der einzelnen Tätigkeiten spielt die sprachliche Ausdrucksweise mindestens eine genauso entscheidende Rolle. Hier gilt die Faustformel: Damit es ein gutes Zeugnis ist muss es viele Superlative enthalten wie z.B. „vollste“, „außerordentlich“ oder „uneingeschränkt“. Außerdem gehört zum guten Bild auch die Betonung der Kontinuität der Leistung des Mitarbeiters mit Adverbien wie „stets“ oder „immer“. Hier können auch Formulierungen auftauchen, die auf den ersten Blick harmlos klingen, in Wirklichkeit aber negative Leistungen ausdrücken. Nachfolgend ein paar Beispiele:

  • Er/sie war stets bemüht … (hat sich angestrengt, war aber mit den Aufgaben überfordert)
  • … hat uns überrascht … (wir waren entsetzt von den Ergebnissen!!)
  • … auf seine/ihre eigene Weise … (war ein Querulant, konnte sich nicht anpassen)
  • … alle Aufgaben ordnungsgemäß erledigt … (machte nur das was man ihm/ihr sagte, ohne eigene Initiative)

Geheimcodes??

Bis heute hält sich hartnäckig der Mythos, dass es in der Zeugnissprache sogenannte „Geheimcodes“ gibt, die jeder Personaler kennt und die Bewerber erzittern lassen. Fakt ist jedoch, dass diese in seriösen Unternehmen heute nicht mehr vorkommen. Wenn also der ehemalige Vorgesetzte einem „alles Gute und viel Gesundheit“ wünscht, kann das einfach ernst und gut gemeint sein. Wenn man trotzdem Zweifel hat ob dieser Wunsch angebracht ist, sollte man um eine Änderung bitten.

Hier ein paar Beispiele für solche Formulierungen, die doppeldeutig gemeint sein können:

  • Er/sie war sehr gesellig … (war oft betrunken oder von der Arbeit abgelenkt)
  • Er /sie war ein guter Gesprächspartner … (war ein Dampfplauderer oder Tratschtante)
  • … setzte sich für die Belange der Kollegen ein … (war gewerkschaftlich aktiv. Für manche Arbeitgeber sehen dies negativ, hier muss jeder selbst entscheiden ob man es in seinem Arbeitszeugnis schriftlich haben möchte)
  • Für die Angelegenheiten der Belegschaft bewies er/sie stets Einfühlungsvermögen (er/sie suchte nach intimen Kontakten, belästigte Kollegen).

Start typing and press Enter to search

Ein Mitarbeiter hat gekündigt - Was jetzt?