Sabbatical – Eine Auszeit vom Job

Heutzutage sind Arbeitnehmer mit einer Vielzahl von Herausforderungen und Belastungen konfrontiert. Und bei vielen entsteht daher mit der Zeit der Wunsch, einfach mal „den Stift fallen zu lassen“ und sich eine Auszeit zu nehmen. Ein Begriff der schon seit längerem durch die Arbeitswelt geistert, ist das sogenannte Sabbatical. Doch was verseht man darunter? Und für wen kommt es in Frage? Hier gebe ich Dir wichtige Tipps und Einblicke, ob diese Art der Auszeit auch für Dich in Frage kommt.

Was ist das Sabbatical

Der Begriff ist ein Arbeitszeitmodell für einen längeren Sonderurlaub. Ursprünglich stammt das Wort aus der Tora und bezeichnet das siebte Jahr, welches dazu diente, Ruhe und Auszeit zu bieten und dabei neue Kräfte zu sammeln.

Wer kann ein Sabbatical einlegen?

Die schlechte Nachricht vorab: Es gibt leider keinen Rechtsanspruch auf ein Sabbatical. Ab und zu tauchen in Politik Pläne dafür auf, aber bisher wurde noch nichts konkretisiert. Wenn Du also eine längere Auszeit planst musst Du das mit Deinem Arbeitgeber besprechen. Dabei ist es ihm überlassen, ob er diese bewilligt oder nicht.

Für wen lohnt sich ein Sabbatical?

Hier müssen wir zunächst eines klar stellen: der Sinn eines Sabbatjahres ist nicht, einen verlängerten Urlaub einzulegen. Sondern es geht darum, sich die Zeit zu nehmen für eine Neubesinnung und eine damit verbundene Neuausrichtung im Leben. Deshalb solltest Du vorher ein paar grundlegende Dinge für Dich klären: Worüber möchte ich Klarheit erreichen? Welches Ziel möchte ich mit dieser Auszeit erreichen? Muss es wirklich ein Sabbatical sein oder gibt es auch andere und vielleicht einfachere Möglichkeiten, mein Ziel zu erreichen? Bei der Entscheidung solltest Du auch bedenken, dass nicht alle Arbeitgeber den Wunsch positiv sehen. Denn immerhin fehlst Du als Arbeitskraft für mindestens mehrere Monate und Dein Arbeitgeber muss sich für diese Zeit nach einem Ersatz umsehen.

Wie setzt man das Sabbatical um?

Wenn der Arbeitgeber zustimmt stellt sich die Frage, wie man die Auszeit arbeitsrechtlich umsetzt. Hier gibt es grundsätzlich folgende Möglichkeiten:

Unbezahlter Urlaub

Diese ist die häufigste und auch einfachste Variante: Der Mitarbeiter vereinbart für den gewünschten Zeitraum unbezahlten Urlaub. Diese Option ist zumindest aus rechtlicher Sicht jederzeit kurzfristig möglich. Sie eignet sich vor allem für kürzere Auszeiten, weil in diesem Fall während des Sabbaticals kein Lohn bezahlt wird.

Zeitwertkonten

Zeitwertkonten sind so genannte „Zeit-Sparbücher“, auf denen der Mitarbeiter Arbeitszeit, Urlaubsanteile oder Gehaltsbestandteile dauerhaft anspart und zu einem späteren Zeitpunkt als Gehaltsersatz nutzt.

Variante von Jahresarbeitszeit in Teilzeit

Der Mitarbeiter arbeitet für einen vereinbarten Zeitpunkt (z.B. 6 Monate) in Vollzeit, bezieht aber nur ein Teil des Gehalts (z.B. 50%) und nimmt den Rest des Jahres die so entstandenen Überstunden als Freizeit.

Sabbatical auf Basis des Arbeitszeitkontos

Beschäftigte, die auf ihrem Arbeitszeitkonto erhebliche Stunden angesammelt haben können (ein bis mehrere Monats-Äquivalente), können diess für ein Sabbatical nutzen. Aber Vorsicht: Die Guthaben auf einem Arbeitszeitkonto müssen eigentlich nach einem Jahr ausgeglichen oder in Geld angelegt werden – daher kann formal nicht über mehrere Jahre angespart werden!

Weitere und tiefer gehende Infos zu den rechtlichen Aspekten findest Du z.B. hier und hier.

Die Auszeit aus Arbeitgebersicht

Die wahrscheinlich schwierigste Aufgabe ist es, Deinen Arbeitgeber von einem Sabbatical zu überzeugen. Denn wie bereits eingangs erwähnt entstehen ihm zunächst Nachteile, da er z.B. einen temporären Ersatz für Dich finden muss. Oder es entsteht ein gewisser Sogeffekt und auch weitere Kollegen möchten eine Auszeit einlegen. Hier gebe ich Dir noch ein paar Tipps, mit welchen Argumenten Du ihn von den positiven Aspekten überzeugen kannst:

  • Die längere Pause dient der Regeneration und kann einer Erschöpfung oder Burnout vorbeugen. Das ist insbesondere wichtig bei Menschen, die eine hohe Arbeitsbelastung haben und diese schon sehr lange aushalten müssen.
  • Der Blick über den eigenen Tellerrand und verschafft neue Ideen, Einblicke und Kreativität
  • Das Sabbatical bindet Beschäftigte an das Unternehmen. Arbeitgeber, die dieses ermöglichen zeichnen sich durch ein gutes Verhältnis zum Mitarbeiter aus.
  • Es vermeidet Doppelbelastungen. Beschäftigte, die sich im Sabbatical um ihre Kinder, den Hausbau, erkrankte Eltern oder Partner kümmern, vermeiden eine starke Doppelbelastung und stehen dem Unternehmen nach dem Sabbatical erholter zur Verfügung

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