Sexismus am Arbeitsplatz – hat das AGG seine Wirkung verfehlt?

Denken wir als Frauen kurz darüber nach, ob wie und wann wir von einem Kollegen, Vorgesetzten oder Mitarbeiter im Berufsleben schon einmal einen dummen Spruch in Bezug auf unsere Weiblichkeit hören mussten, fällt uns beim ersten Nachdenken vielleicht nichts ein. Gehen Frauen der Sache ein wenig genauer nach kommen erste Zweifel auf. Hier und da höre ich „Oh ja doch, genau das hat mir letztens mein Chef ebenfalls zu hören gegeben. Richtig, war mir gar nicht aufgefallen.“ Sexismus am Arbeitsplatz ist ein ernstes und auch aktuelles Thema

Eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes aus dem Jahr 2015 kommt zu dem Ergebnis, dass mehr als 39% der Frauen zweideutige Kommentare oder Witze mit sexuellem Bezug auf der Arbeit hören mussten. Über 22% der Frauen wurden mit einer sehr persönlichen, sexuell angehauchten Fragen zu ihrem Aussehen oder ihrem Privatleben konfrontiert.

 

Alles nur dumme Sprüche oder was steckt wirklich dahinter?

Bei meiner Recherche zu diesem Thema bin ich über eine sehr interessante Sammlung an „dummen Sprüchen“ gestolpert. Manche dieser Aussagen sind so spitz formuliert, dass wir ganz klar sagen können „Hier liegt eine sexuelle Belästigung vor“. Leider ist diese Einschätzung nicht immer ganz so klar. Oft ist es eine Gratwanderung, ein subjektives Empfinden einer jeden Frau, die ein rechtliches Vorgehen schwierig macht. Die Intention des Sprücheklopfers wird als Ironie, Humor oder belangloses Geschwätz abgewehrt. Opfern ist es peinlich mit dem Geschehenen an den Vorgesetzten zu treten – auch gerade wenn diese mit involviert sind – bzw. sich einer Kollegin oder dem Betriebsrat anzuvertrauen.

 

„Trag doch mal häufiger Röcke oder Kleider, das sieht hübscher aus und freut auch die Kunden.“

Ein Projektleiter zu seiner Unternehmensberaterin

 

„Wenn’s bei dir mal nicht mehr läuft, kannst du dich wenigstens noch hochschlafen!“

Ein Kollege zu seiner weiblichen Kollegin

 

„Sie haben zwei starke Argumente, die für Sie sprechen.“

Ein Professor mit Blick auf den Oberkörper seiner Ingenieur-Studentin

 

„So wie die herumkommandiert, ist die sicher chronisch untervögelt.“

Ein Kollege über die gemeinsame Chefin

 

Mir selbst blieb beim Lesen solcher dummen Anspielungen die Spucke weg. Ich fragte mich auch, wie es sein kann, dass so etwas dreistes heute noch möglich ist. Offensichtlich geht das. Hat das 2006 eingeführte Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, welches jegliche Diskriminierung aufgrund Herkunft, Religion, Geschlecht oder sexuellen Identität verbietet, seine Wirkung verfehlt?

 

Opfer von Sexismus am Arbeitsplatz und wer hilft?

Du fühlst dich betroffen, von einem Kollegen bekommst du anzügliche Sprüche auf den Tisch geknallt, die dir vorher gar nicht so bewusst wurden? Nimm die Gefahr ernst, denn Sexismus am Arbeitsplatz wirkt sich sowohl auf deine psychische als auch physische Verfassung aus. Vielleicht möchtest du dich einer Kollegin anvertrauen? Professionelle Hilfe findest du auch im Netz.

Das Hilfetelefon – Gewalt gegen Frauen des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben bietet sowohl Online-Beratung als auch telefonische Beratung für Frauen jeglicher Herkunft an und berät dabei in 17 verschiedenen Sprachen.

Auf der offiziellen Seite der Antidiskrimierungsstelle des Bundes findet sich eine Suchmaschine, um eine passende Beratungsstelle in deiner Nähe zu kontaktieren.

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