Fehler eingestehen – Über eine Kultur des Verzeihens

„Wer noch nie einen Fehler gemacht hat, hat sich noch nie an etwas Neuem versucht“ – Albert Einstein (1879 – 1955), Physiker

Vielen Menschen fällt es unglaublich schwer, Fehler einzugestehen – was unter anderem auch daran liegt, dass wir in Deutschland gerade erst dabei sind, eine freundliche Fehlerkultur zu entwickeln. Andere Länder, wie z.B. Japan sind uns weit voraus und betrachten Patzer als etwas Positives. Um einen Fehler vermeiden zu können, muss man ihn zunächst erst einmal begangen haben! Ist das geschehen, sucht und findet man Wege, um diesen künftig zu vermeiden.

Schuldig!

Während man in Deutschland gerne rückwirkend nach einem Schuldigen sucht, blickt man in Japan lieber nach vorne und stellt sich gemeinsam folgende Frage: „Wie können wir es künftig besser machen?“

Anstatt den „Schuldigen“, der sich sowieso schon schlecht fühlt, auch noch zu sanktionieren und abzumahnen, arbeitet man im Land der aufgehenden Sonne lieber gemeinsam konstruktiv an einer Lösung, um das Malheur künftig zu vermeiden und damit die Produktivität des Unternehmens künftig zu verbessern.

Made in Germany

Bei uns sieht es zurzeit oft noch so aus, dass ein Patzer am Arbeitsplatz meist großen Ärger nach sich zieht. Es drohen eine mündliche oder schriftliche Abmahnung, schlimmstenfalls kommt es zur Kündigung.

Nicht zuletzt werden aufgrund dieser unerfreulichen Aussichten Missgeschicke bei uns lieber vertuscht oder verheimlicht, was bedeutet, dass wir vielerorts noch keine positive und konstruktive Fehlerkultur entwickelt haben – eine Kultur des Verzeihens.

Im Endeffekt stellt sich dies meist als der größte Fehler von allen heraus und schadet dem Unternehmen! Denn in einer Umgebung, geprägt aus Angst vor Fehlern, kann kein gesundes Arbeitsklima entstehen, im Gegenteil. Gehen beispielsweise Führungskräfte im Fall eines Fehlers mit dem betroffenen Mitarbeiter barsch und schroff um, belastet dies am Ende die Produktivität und bedeutet Einbuße sowie Verlust, in finanzieller Hinsicht wie auch auf personeller Ebene.

Der betroffene Mitarbeiter, der den Fehler gemacht hat, wird eine schlechte Umgangsweise auf Dauer nicht aushalten und sich wahrscheinlich bald einen neuen Job suchen. Auch wenn man den Mitarbeiter wegen des Fehlers feuert, bedeutet dies in der Regel: Erneutes Recruiting, neue Bewerbungsgespräche; ein neuer Mitarbeiter muss angelernt werden. Und ob er nach der Probezeit bleibt, steht in den Sternen.

Denn wer wird schon gerne gemaßregelt oder sanktioniert? Außerdem: Wird ein Problem durch Maßregelungen oder Sanktionen auch faktisch gelöst? Eher nicht. Von daher bedeutet eine höfliche und freundliche Fehlerkultur des Verzeihens auf lange Sicht eine Win-win-Situation für beide Seiten.

Nobody is perfect

Niemand ist perfekt. Und gerade in unserem heute oft sehr komplexen Arbeitsalltag können sich Fehler einschleichen. Niemand macht mit Absicht Fehler – und ist ein Fehler erst einmal passiert, ist es beinahe noch schlimmer, dass man Angst haben muss, den Fehler zuzugeben – aus Sorge vor Repressalien oder Bloßstellung.

Eine gute Fehlerkultur

Darum ist es von immenser Wichtigkeit, dass wir uns in Sachen Fehlerkultur neu orientieren. Wir brauchen eine Kultur des Verzeihens; eine Kultur, in welcher man es ohne Sorge wagen kann, einen Fehler zuzugeben.

Gerade weil wir Menschen sind, werden sich Fehler niemals gänzlich vermeiden lassen. Fehler können als möglicher und realer Teil der Arbeit in den Arbeitsalltag mit einbezogen werden. Passieren sie, können wir für die Zukunft daraus zu lernen. Erlaubt ein Unternehmen Fehler offen und angstfrei zu kommunizieren, können sich hieraus völlig neue Wege ergeben, z.B. können auf diese Weise Schwachstellen entdeckt werden. Um Schwachstellen erkennen zu können, müssen Fehler jedoch erst einmal gemacht werden.

Wirklich fehlerfrei?

Es gibt Menschen, die von sich tatsächlich sagen können, dass sie noch nie Fehler gemacht haben. Das kann kaum stimmen – doch woher kommt das? Wir lernen bereits in ganz jungen Jahren, dass Fehler „etwas Schlimmes“ sind, sie gehen einher mit Konsequenzen wie Bestrafung. In jungen Jahren also lernt man bereits, dass man für Fehler „büßen“ muss.

Die meisten Menschen verbinden Fehler also mit bereits gemachten Traumata aus der Kindheit, wobei man Menschen damit eine wertvolle Möglichkeit nimmt, nämlich durch Logik und Erkenntnis angstfrei aus diesen zu lernen.

Da dies noch so in unserer Kultur verankert ist, wird es wahrscheinlich noch ein bisschen Zeit brauchen, bis wir wirklich eine Kultur des Verzeihens etabliert haben. Im Aufbau sind wir jedenfalls, und das ist gut so.

Wenn man sich künftig also wagen kann, seinen Fehler offen zu benennen und zuzugeben, weil man keine Angst mehr zu haben braucht, wegen seines Schnitzers bloßgestellt zu werden, sind wir auf dem richtigen Weg.

Was Du persönlich tun kannst

Du kannst bereits sehr viel bewirken, wenn Du mit gutem Beispiel vorangehst. Ob Du Dich nun in der Rolle des Unternehmers oder Mitarbeiters befindest, spielt hierbei keine Rolle. Du kannst davon ausgehen dass Fehler nicht mit Absicht begangen werden, sondern aus Menschlichkeit (Überforderung, Schusseligkeit, u.s.w.). Wenn Du z.B. mitbekommst, dass ein Kollege einen Fehler gemacht hat, dann hilf ihm, so gut es geht. Du kannst ihm Verantwortung sowie Teamgeist zeigen und sagen: „Das kann passieren!“ Hat Dein Kollege Angst, seinen Fehler zuzugeben, dann überlegt am besten gemeinsam, wie man den Fehler künftig vermeiden kann und welche Schritte hierfür benötigt werden. Spricht man seinen Vorgesetzten an und hat sich eventuell schon Gedanken über eine mögliche Lösung gemacht, zeugt das von großem Interesse am Unternehmen. Und wenn Dir mal ein Fehler unterläuft, verzeihe Dir auf jeden Fall auch selbst. Schau nach vorne und nimm daraus etwas Positives für Dich mit. Das ist in jedem Fall produktiver und weitaus nützlicher, als mit Fehlern zu hadern.

Start typing and press Enter to search