Bildungsurlaub nehmen – wie funktioniert’s?

In allen Bundesländern außer Sachsen und Bayern hat jeder Arbeitnehmer pro Jahr einen gesetzlichen Anspruch auf einen 5-tägigen Bildungsurlaub. Der Lerninhalt dieser Weiterbildung muss nicht unbedingt in unmittelbarem Zusammenhang mit Deiner beruflichen Tätigkeit stehen. Als Bildungsurlauber/in kannst Du völlig frei entscheiden, in welche Richtung das Ziel Deiner Weiterbildung geht, z. B. ob in Politik, Kultur, Gewerkschaftsarbeit, etc. Einzige Bedingung: Dein gewählter Kurs muss als Bildungsurlaub anerkannt sein. Informationen und Kurse findest Du im InfoWeb Weiterbildung, hier hast Du die Qual der Wahl bei mehr als drei Millionen Kursen! Allein in Hamburg werden knapp 93.000 Kurse angeboten. Unter anderem Finanzbuchhaltung, Französisch für den Beruf, Deutsch für den Pflegeberuf, Mediendesign, Büromanagement, um nur einige wenige zu nennen. Die Palette ist unglaublich breit gefächert!

Wählst Du eine Langzeitbildungsmaßnahme, die mit Deiner beruflichen Tätigkeit in Verbindung steht, wird das Deinen Chef wahrscheinlich eher freuen. Aber egal wofür Du Dich auch entscheidest: Solange der Kurs anerkannt ist und keine wichtigen betrieblichen Angelegenheiten gegen Deine Freistellung sprechen, muss Dein Arbeitgeber Dir freie Zeit für den Bildungsurlaub gewähren. Wichtig dabei: Du musst beim Veranstalter nachfragen, ob das Bildungsangebot in Deinem Bundesland als Bildungsurlaub anerkannt wird!

Bildungsurlaub berührt nicht Anspruch auf Erholungsurlaub

Möchtest Du intensiver in die Materie eintauchen, kannst Du Dich auch alle zwei Jahre für eine zehntägige Weiterbildung entscheiden. Wichtig zu wissen: Dein Anspruch auf Bildungsurlaub berührt nicht Deinen regulären Urlaubsanspruch, sondern steht Dir zusätzlich zur Verfügung!

Obwohl das Bildungsangebot so umfassend ist, lassen Arbeitnehmer Jahr für Jahr diesen wichtigen Anspruch verfallen. Das passiert meist aus Unwissenheit oder auch aus Angst vor Ärger mit den Vorgesetzten. Doch Bildungsurlaub hat überhaupt nichts mit „Badeurlaub am Pool“ zu tun. Es geht hier auch nicht um ein paar Tage „Auszeit“, sondern darum, sich weiterzubilden und seinen Horizont zu erweitern. Köpfchenarbeit statt Müßiggang – letztendlich profitiert auch der Arbeitgeber von der Fortbildung seiner Arbeitnehmer!

Wie kommst Du zu Deinem Bildungsurlaub?

Du wohnst in einem der teilnehmenden Bundesländer? Bestens! Auch wenn Dein Arbeitnehmer zunächst nicht begeistert scheint, gesetzlicher Anspruch bleibt gesetzlicher Anspruch. Zunächst wählst Du Deinen Kurs aus und suchst anschließend sämtliche, hierfür benötigten Unterlagen zusammen. Füge außerdem den Beleg hinzu, dass Dein ausgewähltes Seminarprogramm von einem anerkannten Bildungsträger durchgeführt wird.

Antrag schriftlich einreichen

Reiche Deinen Antrag auf Bildungsurlaub schriftlich mit allen Unterlagen bei Deinem Arbeitgeber ein, und zwar mindestens 6 Wochen vor Kursbeginn! Auf der Homepage von Kursanbietern wie auch auf der Website der Gewerkschaften kannst Du Dir in der Regel einen entsprechenden Musterantrag downloaden und ausfüllen. Hier findest Du ein Beispiel der IG Metall. Nach Einreichung sämtlicher Unterlagen wartest Du nun auf eine Antwort. Kommt nach drei Wochen immer noch keine Antwort, zählt dies in der Regel als Zustimmung.

Im Idealfall hat alles geklappt und Du konntest Deinen Bildungsurlaub absolvieren? Lege in dem Fall anschließend Deinem Arbeitgeber so schnell wie möglich eine Teilnahmebestätigung vor, um keine Lohneinbußen zu riskieren.

Das Finanzielle…

Die Kosten werden geteilt. Der Arbeitgeber bezahlt während der Bildungsmaßnahme weiterhin Deinen Lohn – die Kosten für das Seminar trägst Du als Arbeitnehmer – ebenso Deine Auslagen für Unterbringung, Verpflegung oder Anreise. Tipp: Die Kosten für Deinen Bildungsurlaub kannst Du steuerlich geltend machen, denn unser Staat unterstützt Weiterbildung!

Und wenn der Chef „nein“ sagt?

Hast Du Deinen Bildungsurlaub rechtzeitig und in korrekter Form beantragt, muss Dich Dein Arbeitgeber freistellen. Lediglich aus wichtigen betrieblichen Gründen kann er Deine Freistellung ablehnen. So z. B. wenn der Krankenstand sehr hoch ist oder zu dem Zeitpunkt viele Kollegen im Urlaub sind. Tipp: Nimm Deinen Bildungsurlaub am besten außerhalb der regulären Schulferien. Auf diese Weise vermeidest Du Zeitkonflikte mit Kollegen, die schulpflichtige Kinder haben.

Kann Dein Arbeitgeber Dich aus beruflichen Gründen „nicht ziehen lassen“, verfällt Dein Anspruch dennoch nicht. Wähle in dem Fall einfach einen weiteren Kurs aus und stelle erneut einen Antrag.

Weitere Auskünfte zum Thema Bildungsurlaub findest Du auf den Internetseiten der Kultusministerkonferenz.

Start typing and press Enter to search