Private und betriebliche Altersvorsorge

Schon seit einigen Jahren geistert das Thema private Altersvorsorge durch die Medien. Da tauchen ständig Begriffe wie „riestern“, „Rürup“ und noch viele andere auf und es entstand ein wahrer Dschungel aus Angeboten und Leistungen. Dieser Wust kann einen förmlich erschlagen und viele schieben das Thema auf die lange Bank. Aber Vorsicht: die gesetzliche Rente wird bei vielen nicht mehr reichen, um einen guten Lebensstandard im Alter zu sichern. Man kann zwar auch noch im Rentenalter arbeiten, wie ich es bereits in einem früheren Beitrag beschrieben habe. Aber viele wollen trotzdem so früh wie möglich ihren Lebensabend arbeitsfrei genießen.

Was kann man also tun, um sich im Dickicht der Altersvorsorge zurecht zu finden? Damit Du etwas Klarheit bekommst möchte ich Dir heute die Unterschiede der privaten und betrieblichen Altersvorsorge etwas genauer vorstellen.

 

Drei Säulen der Altersvorsorge

Generell existieren in Deutschland 3 Säulen der Altersvorsorge. Die erste ist die sogenannte Basisvorsorge, dazu zählen die gesetzliche Rentenversicherung, Versorgungswerke und die Rürup-Rente. Die zweite Säule enthält die geförderten Vorsorgemaßnahmen, die sich in erster Linie an Arbeitnehmer richten. Hierzu zählen Verträge der betrieblichen Altersvorsorge und die Riesterverträge. Die dritte Säule beinhaltet die sogenannte ungeförderte Vorsorge. Dies sind beispielsweise Lebens- und Rentenversicherungen sowie Fondssparpläne. Im Folgenden schauen wir uns die drei Säulen mal etwas genauer an

 

Gesetzliche Rentenversicherung

Der viel zitierte Satz des ehemaligen Sozialministers Norbert Blüm, der behauptete „die Rente ist sicher“ gilt zwar auch heute noch. Allerdings sind erheblich Zweifel angebracht, ob sie auch noch im Alter zum Leben ausreicht. Eine Faustregel besagt, dass Rentner im Alter noch etwa 80 Prozent des letzten Nettogehalts benötigen, um einen vernünftigen Lebensstandard zu erhalten. Doch ab 2030 wird die gesetzliche Rente wohl auf 50 Prozent schrumpfen, was eine deutliche Einbuße bei der Lebensqualität bedeutet. Eigenvorsorge ist also ein Muss, damit man im Alter nicht verarmt.

 

Betriebliche Altersvorsorge

Damit wären wir auch schon bei der zweiten Säule, die in diesem Sinne die erst Möglichkeit der eigenen Vorsorge ist. Seit 2002 haben Angestellte einen rechtlichen Anspruch auf die betriebliche Altersvorsorge. Große Unternehmen bieten beispielsweise Pensionskassen oder Versorgungswerke an. Aber auch kleinere Unternehmen müssen Optionen für das Sparen fürs Alter anbieten. Jeder Arbeitnehmer kann bis zu vier Prozent seines Bruttogehalts abzweigen bis zur Beitragsbemessungsgrenze, die derzeit 48.600 Euro beträgt. Großer Vorteil: Da sie vom Bruttogehalt gezahlt wird, senkt sie die Steuerlast und die Sozialabgaben. Man verzichtet also auf weniger Gehalt, als wenn man die Vorsorge vom Netto bezahlen würde. Trotzdem gilt es zu bedenken, dass man als Rentner seine betriebliche Altersvorsorge versteuern muss. Allerdings sind die Steuersätze im Alter meist deutlich geringer als zuvor.

Riester- und Rüruprente

Bei der Riester-Rente zahlt der Staat eine Grundzulage von 154 Euro pro Jahr. Für jedes Kind legt Vater Staat noch einmal 185 Euro zusätzlich drauf und für Kinder, die nach dem 1.1.2008 geboren sind, gibt es sogar 300 Euro. In den Genuss der Rente kommen alle rentenversicherungspflichtige Beschäftigte, also z. B. Angestellte, Mitglieder der Künstlersozialkasse, Kindererziehende, Bezieher von Arbeitslosengeld bzw. deren Partner. Für die Riesterrente muss der Arbeitnehmer die oben genannten vier Prozent seines rentenversicherungspflichtigen Einkommens selbst beisteuern. Grundsätzlich gilt: je niedriger das Einkommen und je mehr Kinder, desto größer ist der Nutzen.

Und was machen Selbständige und Freiberufler? Für diese Gruppe gibt es die sogenannte Rürup-Rente. Auch diese ist vom Staat gefördert und hier können Sparer ca. drei Viertel ihrer Beiträge von der Steuer absetzen. Die Obergrenze beträgt bei Singles 20.000 Euro und bei Verheirateten 40.000 Euro pro Jahr. Ob sich das Rürup-Modell lohnt, sollte man von seinem Steuerberater durchrechnen lassen.

 

Die ungeförderte Vorsorge

Hier wird es schon wesentlich schwieriger, eine geeignete Anlageform zu finden, denn die Optionen sind sehr vielfältig. Viele denken da z. B. an die eigene Immobilie. Damit die eigenen vier Wände aber tatsächlich eine Erleichterung im Alter sind, sollten sie nicht nur ab Renteneintritt abbezahlt sein, sondern auch altersgerecht ausgebaut sein und sich in gutem Zustand befinden. Auch das Thema Aktienfonds sollte man genauer unter die Lupe nehmen. Nach Statistiken des Deutschen Fondsverbands BVI erzielten Fonds mit deutschen Aktien in den vergangenen 35 Jahren durchschnittlich jährlich 7,7 Prozent Rendite. So viel schaffte fast kein anderes Finanzprodukt Aber hier gilt aber auch die Formel: Je höher die Rendite, desto höher das Risiko. Eine Garantie, dass die Entwicklung auch in Zukunft so weiter geht, gibt es nicht. Außerdem gilt: Wer in Eigenregie spart, braucht Selbstdisziplin und sollte Gelassenheit mitbringen. Denn kurzfristig können Aktien auch ins Minus rutschen und es gilt, diese Durststrecken zu überstehen und nicht in Panik zu geraten.

 

Welche Vorsorge ist die Beste?

Tja, diese Frage lässt sich leider nicht pauschal beantworten. Im Rheinland gibt es den Spruch „Ein jeder Jeck ist anders“, und das trifft auch auf die Altersvorsorge zu. Denn jeder hat ein anderes Einkommen, verschiedene Lebenssituationen und Bedürfnisse. Am besten lässt man sich beraten oder macht eine Selbstanalyse wie z. B. auf Seiten des Finanztipps. Eines ist jedoch sicher: Wer seinen Lebensabend unbeschwert genießen möchte, sollte möglichst frühzeitig das Thema Altersvorsorge angehen. Denn jeder Monat und jedes Jahr bedeuten bares Geld und mehr Lebenskomfort im Seniorenalter.

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